Mittelgebirgswandern: aus dem Schwarzatal hinauf zum Gebirgskamm und auf einem anderen Weg wieder hinab. Oben wartet ein Aussichtsturm mit Gaststätte.
Der Startpunkt ist der Bahnhof Sitzendorf, der Endpunkt der Bahnhof Mellenbach-Glasbach, insgesamt etwas über acht Kilometer.
Ich empfehle die Anreise mit der Schwarzatalbahn ab Rottenbach wegen der schönen Ausblicke. Eine der Unterwegshaltestellen ist Schwarzburg. Hier wurde die Weimarer Verfassung unterzeichnet, weil Friedrich Ebert, als unterzeichnet werden sollte, gerade in Schwarzburg urlaubte.
Größtenteils bewegen wir uns bei dieser Wanderung auf dem Panoramaweg Schwarzatal. Der Wanderweg beginnt ein paar hundert Meter vom Bahnhof Sitzendorf entfernt und ist ausreichend, wenn auch mitunter eigenwillig ausgeschildert. Erst auf einem Wald-, dann auf einem Feldweg gelangen wir ins Gebirgsdorf Oberhain, wobei wir 250 Höhenmeter auf drei Kilometern Strecke zurücklegen.
Wie in Oberhain sind viele Häuser in dieser Gegend, zumal in den Kammlagen, verschiefert, um dem hiesigen rauen Klima standzuhalten. Die Sommer sind hier kühler und feuchter als im Flachland, die Winter lang und schneereich. Bisher bin ich diesen Weg zweimal im Hochsommer gegangen, und da war angenehmes Wanderwetter: sonnig, aber nicht zu warm.
Ganz oben auf dem Bergkamm befindet sich der Barigauer Turm. Er wurde 1912 errichtet; später kamen links und rechts die Gaststättengebäudeteile hinzu. Die Gaststätte ist eine Ausflugsgaststätte, in der noch richtig gekocht wird. (Werbung in diesem Beitrag ist unbezahlt.)
Im Turm hat mir besonders gefallen, dass die Treppe nicht so beengt ist wie in manchen anderen Aussichtstürmen. In diesem Turm läuft man hoch wie in einem Wohnhaus. Oben kann man sich das Schiefergebirge ringsum durch ein Fernrohr besehen, das die Namen der zu sehenden Berge und Orte einblendet.
Barigau, das Dorf unterhalb des Turms, hat etwas über hundert Einwohner. Bis ins 19. Jh. war der Kräuter- und Essenzenhandel ein wichtiger Wirtschaftszweig in dieser Gegend. Daran erinnert der Olitätenwanderweg, der auch durch Barigau verläuft. Heutzutage werden der Anbau und die Verarbeitung von Kräutern vorwiegend touristisch und museal betrieben.
Beim Abstieg nach Mellenbach-Glasbach sind die Schäden, die Trockenheit und Borkenkäfer am Bergwald hinterlassen haben, noch deutlicher sichtbar als beim Aufstieg. Insbesondere die Fichte verschwindet großflächig aus den Hanglagen. Eine gute Gelegenheit, um von der Monokultur wegzukommen. Vorerst sieht es aber stellenweise aus wie nach Artilleriebeschuss.
In Mellenbach-Glasbach mündet der Wanderweg auf die Hauptstraße. Danach sind es noch ein paar hundert Meter bis zum Bahnhof, in dem stündlich die Schwarzatalbahn hält. Ihre nächste Haltestelle ist der Bahnhof Obstfelderschmiede, in dem Anschluss zur Thüringer Bergbahn besteht. Drüben auf der Bergbahnseite des Schwarzatals kann man zum Fröbelturm und auf die Meuselbacher Kuppe wandern.
Literatur zum Thüringer Schiefergebirge ist nur spärlich vorhanden und teilweise sehr spezifisch; hier etwa eine Publikation über die Schlafbaumwahl von Auerhühnern.
Weitere Eindrücke von dieser Gegend vermittelt immerhin der antiquarische Text-Bild-Band "Thüringer Wald – mit Ausflügen ins Thüringer Schiefergebirge".
Der erwähnte Panoramaweg Schwarzatal ist insgesamt 137 km lang. Über ihn informiert das Tourenportal Thüringer Wald.
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