Nachtfrost im August: Das Schwarzwassertal bei Kühnhaide


 

 

 

 

 

 

 

 

Kühnhaide auf dem Erzgebirgskamm ist einer der kältesten bewohnten Ort Deutschlands. Selbst im Hochsommer kann es dort oben Nachtfrost geben. Wunderbar! Genau wie das angrenzende Schwarzwassertal mit seinen Felsformationen. Je nach Wanderlust kann man auf dieser Strecke 8,5 km von Kühnhaide nach Pobershau oder noch etwas weiter bis Marienberg wandern.

Für meine Anreise hatte ich knapp zwei Stündchen Aufenthalt in Marienberg eingeplant, um das Museum sächsisch-böhmisches Erzgebirge zu besuchen und um durch die Altstadt zu spazieren. Marienberg ist eine Renaissance-Planstadt mit rechtwinklingen Straßen und mit Bergbauvergangenheit. Am Markt gibt es Architektur, Essen und die Touristinformation.


 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Das Museum ist der Geschichte Marienbergs und des Erzgebirges beiderseits der Grenze gewidmet. Ausgestellt werden etwa Heimatberge – große mechanische Dioramen – und weitere Volkskunst, Mineralien, Gemälde, Glaswaren aus Uranglas sowie Exponate zur Industrie- und Bergbaugeschichte Am meisten hat mich aber das unten abgebildete Joch aus dem siebten Jh. beeindruckt, ein Moorfund aus dem Ortsteil Reitzenhain. Interessant auch das Gebäude, ein Bergmagazin aus dem frühen 19. Jh., das zunächst als Getreidespeicher, später als Unteroffiziersschule und als Schokoladenfabrik diente. Heute ist darin außer dem Museum auch die Stadtbibliothek untergebracht.


 

 

 

 

 

 

 

 

Von Marienberg aus bin ich mit dem Bus nach Kühnhaide gefahren. Während ich mit dem Busfahrer übers Wandern und übers Wetter schnatterte, zeigte er mir im Vorbeifahren die Wetterstation, die die berühmten Wetterdaten aus Kühnhaide liefert: keine Wetterwarte, sondern ein Kasten auf einer Wiese neben der Straße. Das Dorf befindet sich in einer Senke zwischen Wäldern und Mooren auf 700 bis 750 m Höhe. In klaren und windstillen Nächten sammelt sich hier schwere Kaltluft, sodass selbst im Hochsommer Nachtfrost möglich ist. Da ich erst in der Mittagsstunde ankam, war es schon wieder sommerlich warm, aber immer noch kühler als im Flachland.

An der Bushaltestelle Schwarzwassertal beginnt der Wanderweg durch dasselbe. Das Wasser der Schwarzen Pockau, die dieses Tal durchfließt, ist dunkel, weil es einem Hochmoor entspringt. Nach einiger Zeit erheben sich links und rechts des Weges einige Felswände und -solitäre, deren markantester der Nonnenfelsen ist.


 

 

 

 

 

 

 

 

Just als ich den Talweg verließ, um linker Hand hinauf in Richtung Pobershau zu steigen, teilte mir ein über den Weg gespanntes Banner mit, dass das Tal an diesem Tag gesperrt war. Tja, zu spät. Tags zuvor hatte es hier ordentlich gewittert, und Waldarbeiter waren noch damit beschäftigt, Bruchholz zu beräumen. Zwar hatte ich bereits am Beginn des Wegs so ein Banner gesehen, aber das lag am Wegesrand, und ich dachte, es sei nicht mehr aktuell.


 


 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Oben auf dem Bergkamm zwischen dem Schwarzwassertal und Pobershau befinden sich zwei weitere Attraktionen: Erstens der Grüne Graben, ein künstlicher Wasserlauf aus dem 17. Jh., zweitens der Katzenstein, ein Aussichtspunkt 90 m über der Talsohle. Erklärtafeln am gut ausgeschilderten Wanderweg erklären etwa, welche Gehölze in diesem Wald wachsen und wozu der Grüne Graben diente: "Für den Bergbau war Wasser als Energiequelle enorm wichtig. Mit ihm konnten Kunstgezeuge für Förderanlagen und die Wasserhaltung der Gruben betrieben werden."



 

 

 

 

 

 

 

 

Eine solche Grube befindet sich in Pobershau: der Tiefe Molchner Stolln, heute ein Schaubergwerk. Gefördert wurden hier Silber, Zinn, Kupfer und Eisen, nach dem Zweiten Weltkrieg auch Uranerz. Zuerst kommen wir aber in Pobershau an der Kirche vorbei und sehen den Ort von oben. Das längliche Gebäude mit dem Dachreitertürmchen ist die Grundschule.

 


 

 

 

 

 

 

 

In Pobershau kann man ab der Bushaltestelle Silberscheune gegenüber der Touristinformation nach Marienberg zurückfahren. Ich bin noch ein paar Kilometer auf Marienberg zugelaufen, dann aber die letzten drei, vier Haltestellen, weil die Zeit drängte, mit dem Bus gefahren. Unterwegs kam ich noch an diesem Dahliengarten zwischen Wald und Feld vorbei.


 

 

 

 

 

 

 

 

Der nächste größere Bahnhof ist Chemnitz Hbf. Er ist von Marienberg aus in etwas über einer Stunde mit dem Bus zu erreichen.

Zum Schluss noch etwas über Moore im Erzgebirge, eine kurze Einführung ins Thema "erzgebirgische Berg(bau)städte" und ein Buchtipp: "Die besten Rezepte aus dem Erzgebirge" (Werbung unbezahlt).

Kommentare