Europas größtes Flächendenkmal


 


 

 

 

 

 

 

...ist Eisenhüttenstadt im Landkreis Oder-Spree an der Grenze zu Polen. Für einen ersten Eindruck von dieser Stadt habe ich mir eine zehn Kilometer lange Stadtwanderung ausgedacht. Sport frei!

Zwischen Bahnhof und Stadt überspannt eine stählerne Brücke den Oder-Spree-Kanal. Elegant ist anders, aber die Brücke passt zur Stadt der Stahlwerke. Als solche wurde Eisenhüttenstadt ab 1950 errichtet. Heute stehen weite Teile von ihr unter Denkmalschutz.


 

 

 

 

 

 

 

 

Erster Wegpunkt in der Stadt: der Denver-Brunnen von 1988. Seinen Namen gab ihm der Volksmund, weil die stehenden Betonteile dieses Springbrunnens an die streifig-geschwungenen Grafikelemente aus dem Vorspann der 80er-Serie "Der Denver-Clan" erinnern.


 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Links um! An der breiten und sorgfältig gepflasterten Lindenallee befindet sich das nach Friedrich Wolf benannte Theater, gleich daneben die Touristinformation. Öffentliche und Wohngebäude wechseln einander ab, oftmals befinden sich im Erdgeschoss Geschäfte. Eisenhüttenstadt scheint mir recht fußgängerfreundlich zu sein. Busse sind auch überall unterwegs.


 

 

 

 

 

 

 

Einzelne Gebäude finde ich besonders eindrücklich, z.B. das Rathaus. Darin wurde bestimmt viel geraucht und Kaffee konsumiert, während das Wohl der res publica geplant wurde.

Hier und da stehen in Eisenhüttenstadt Plastiken im öffentlichen Raum, z.B. die Frau mit Kind vor dem Rathaus. Tom Hanks und ich finden Eisenhüttenstadt amazing.

Ein Ausflugsziel, das sicherlich ebenfalls amazing ist und an dem ich zwar vorbeikam, für das mir aber die Zeit fehlte, ist das Museum Utopie und Alltag. 



 

 

 

 

 

 

 


 

 

 

 

 

 

Eisenhüttenstadt ist ähnlich den Planstädten der Renaissance angelegt. Langgestreckte Wohn- und öffentliche Gebäude umgrenzen rechteckige Grünflächen mit Bäumen und Spielplätzen; Gassen führen durch diese hellen, luftigen Karrees hindurch. Am meisten erinnern mich diese Gebäude an die römischen insulae und an klassizistische Schlösser. Schinkel lässt grüßen. Ich nenne diesen Baustil einen serialisierten Neoklassizismus. 








 

 

Die Luftigkeit dieser Stadt mit ihren offenen, parkähnlichen Bereichen, in denen man die Nachbarn trifft und die Kinder spielen, scheint dem Konzept der Gartenstadt zu folgen, das um 1900 als Reaktion auf katastrophale Wohnverhältnisse in Großstädten entwickelt wurde, nicht zuletzt um der grassierenden Tuberkulose Einhalt zu gebieten.


 

 

 

 

 

 

 

 

Im Zentrum Eisenhüttenstadts mutet das Grün eher schütter an. Dafür ist die Stadt umgeben von Wald- und Heidegebieten, die an einer Stelle bis ins Stadtgebiet hineinragen: Eine Halbinsel im Süden ist eine Mischung aus Park und Wald. Durch duftenden Kiefernforst führen breite Wege zum Tierpark, zur Inselgaststätte und um die Halbinsel herum. Am Tierpark stehen echte DDR-Stadtblumenkübel.


 

 

 

 

 


 

 

 

 

 

 

 

 

Entlang dem Oder-Spree-Kanal geht es zurück in die Stadt, um das freistehende Wandmosaik "Weltall - Erde - Mensch" (1969) zu begutachten. Dieser Titel war auch derjenige eines populärwissenschaftlichen Buches, das das Leben, das Universum und den ganzen Rest unter materialistischen Gesichtspunkten beschrub und von 1954 bis 1974 massenweise zur Jugendweihe verschenkt wurde.



 

 

 

 

 

 

 

 

Kurz darauf wird es ländlich: Fürstenwalde ist das Dorf, das vor Eisenhüttenstadt da war. Ein paar hundert Meter östlich beginnt Polen, man kommt aber nicht hinüber: Die Fürstenwalder Oderbrücke wurde bei Kriegsende gesprengt und bis heute nicht wieder aufgebaut. Leider noch intakt ist das Russendenkmal auf dem folgenden Bild. Nach einer kurzen Runde durch Fürstenberg habe ich mich auf einer kleinstädtischen Allee zum Bahnhof Eisenhüttenstadt zurückverfügt.



 

 

 

 

 

 

 

 

Für diese Gegend eingenommen haben mich auch Namen von Dörfern in der Nähe von Eisenhüttenstadt: Brieskow-Finkenheerd, Vogelsang, Siehdichum und Müllrose, Fünfeichen, Kieselwitz und Kobbeln, Bärenklau und Atterwasch. Sehenswürdigkeiten dieser Region versammelt das Reiseportal des Landes Brandenburg.

Wer sich mit dem Gedanken trägt, nach Eisenhüttenstadt zu ziehen, der kann zwei Wochen lang kostenlos probewohnen und wird in dieser Zeit mit Stadtführungen, Werksbesichtigungen usw. betüdelt. (Werbung unbezahlt.)

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