Nett hier. Aber waren Sie schon mal in Bitterfeld?


 

 

 

 

 

 

 

 

Bitterfeld kannte ich bis vor Kurzem nur vom Hörensagen als Industriestadt. Bei Lichte betrachtet ist aber in Bitterfeld gut Urlauben: Die Gegend ist eine der niederschlagsärmsten in Deutschland, ihre Seen und die Dübener Heide sind schöne Ausflugsziele. Hier lässt sich segeln, wandern, plantschen. Fürs Erste bin ich von Bitterfeld nach Muldenstein gewandert: 12 km Strecke, 13 m Höhenunterschied.

Mein Hauptziel war der Goitzschesee, der übrigens "Gottschesee" ausgesprochen wird. Zuvor habe ich mir noch die Bitterfelder Innenstadt angesehen.




 

 

 

 

 

Auf dem Weg zum Seestrand habe ich einen kleinen Tierpark mit Eseln, Ziegen, Hühnern und Schildkröten durchquert. Dort hat mich ein Großvater gelobt, weil ich ohne Smartphone, dafür aber mit einem gedruckten Stadtplan und einem Taschenfotoapparat unterwegs war.


 

 

 

 

 

 

 

 

An der stadtseitigen Uferpromenade stehen zwei lange blaue Bänke, auf denen die Namen der freiwilligen Helfer, soweit bekannt, vermerkt sind, die im Jahr 2002 während des Hochwassers Sandsäcke gestapelt haben. Selbst aus dem Westen, ja sogar aus Bayern sind Helfer angereist. Vielen Dank! 


 

 

 

 

 

 

 

 

Bitterfeld, Schkopau und Leuna bilden das Chemiedreieck. In der DDR wurde hier der saure Regen produziert, der in Leipzig die Sandsteinskulpturen aufgelöst hat. Aber heutzutage geht ja Chemieindustrie auch ohne großflächige Vergiftungen. Die ehemaligen Tagebaue wurden geflutet, sodass Bitterfeld nun einen Stadthafen hat. Hier segelt die Bitterfelder Schickeria und löffelt Schwedeneisbecher


 

 

 

 

 

 

 

 

Geschürft wurde bei Bitterfeld nicht nur nach Braunkohle, sondern auch nach Bernstein. Hunderte Tonnen der prähistorischen Harzknubbel wurden hier von 1975 bis 1993 gefördert. Inzwischen wurde der Bernsteinabbau in geringerem Umfang als früher wieder aufgenommen. Dafür wird der Bernstein aus dem Boden des Goitzschesees herausgefiltert, der übrigens der einzige Bernsteinsee der Welt ist.


 

 

 

 

 

 

 

 

Im wirtschaftlichen Niedergang nach der Wende habe Bitterfeld die Hälfte seiner Einwohner verloren, wurde mir gesagt. Inzwischen gibt es wieder Industrie im Ortsteil Wolfen, wo übrigens der Farbfilm erfunden wurde, und Bitterfeld zieht Touristen mit seiner Seenlandschaft an. Alleine der Goitzschesee ist 25 km² groß. Hier und da wird an die hiesige Bergbaugeschichte erinnert; bspw. ist in Ufernähe eine Grubenlok der Baureihe EL 2 ausgestellt.


 


 

 

 

 

 

 

Der Anlass meiner Bitterfeld-Wanderung war, dass ich etwas über den Pegelturm gehört oder gelesen hatte. Das ist ein Aussichtsturm, der im See steht und durch einen breiten Steg mit dem Ufer verbunden ist. Aussichtstürme mag ich, und so einen hatte ich noch nie besucht. Tipptopp, der Pegelturm!


 

 

 

 

 

 

 

 

Weiter geht es auf dem Radweg am See in Richtung Friedersdorf, vorbei an Cafés, Souvenirläden, Ferienhäusern und dergleichen. In der Villa am Bernsteinsee etwa (nächstes Bild) kann man mondän speisen, tagen, übernachten und heiraten. Biber und Seeadler, die an den Bitterfelder Seen wohnen sollen, habe ich nicht gesehen, aber hier und da hatte der Biber Bäume und Sträucher umgeknabbert.


 

 

 

 

 

 

 

 

Kurz vor Muldenstein wird die Staumauer des Muldestausees überquert. Vom Bahnhof Muldenstein aus befördert einen die Bahn im Handumdrehen nach Leipzig, Wittenberg und Halle. Und zwar in ganz schicken Zügen. Die Lok auf dem übernächsten Bild ist ein weiteres technisches Denkmal, kein hier und heute übliches Fahrzeug. Die Kirche ist die Engelkirche in Friedersdorf.



 

 

 

 

 

 

 

 

 

Bitterfeld werde ich bestimmt wieder einmal besuchen, zumal es dort noch einiges zu sehen gibt, für das ich bei diesem Ausflug keine Zeit hatte, z.B. das Kreismuseum, die Aussichtsplattform Bitterfelder Bogen und auch einiges im Ortsteil Wolfen: Link

Angehenden Bitterfeld-Fans empfehle ich Stefan Thobens Buch "Ein Kessel B." über Stadt und Region Bitterfeld. (Werbung unbezahlt.)

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