Wo die Deutsche Klassik ihren Lauf nahm


 

 

 

 

 

 

 

 

Dass sich Goethe und Schiller in Weimar herumtrieben, dürfte bekannt sein. Zum Kosmos Weimar gehört aber auch das Weimarer Land. Und wer sich nicht für JoWo et al. interessiert, dem gefallen vielleicht trotzdem Schloss und Park Tiefurt, Schloss Kromsdorf und das Wielandgut in Oßmannstedt. Die Strecke ist neun Kilometer lang und weitgehend flach.

Losgewandert bin ich an der Bushaltestelle Schloss Tiefurt. Schloss und Park sind nur wenige Meter entfernt. Wer hier hungrig ankommt, kann in der Alten Remise speisen. Empfehlen kann ich auch Café und Bäckerei Preußel, die eine der besten Thüringer Eierschecken bäckt.


 

 

 

 

 

 

 

 

 

Einer Hofdame von Schloss Tiefurt verdanken wir Goethes Urfaust. JoWo hatte sein Urfaust-Manuskript nämlich unveröffentlicht vernichtet, aber Luise von Göchhausen hatte eine Abschrift  angefertigt. Diese wurde 1887 gefunden und veröffentlicht.

Begrenzt wird der Park von der Ilm und einem schmalen Wäldchen an ihrem nördlichen Ufer. Hier wurde im Jahre 1782 Goethes Singspiel "Die Fischerinn" aufgeführt. Das beginnt damit, dass Fischerin Dortchen ein Lied singt, und dieses Lied ist heute unter dem Titel "Erlkönig" bekannt. Ein Digitalisat des Librettos der Erstaufführung stellt die Anna-Amalia-Bibliothek bereit. Das Bootsanlegetreppchen an der Ilm war damals Teil des Bühnenbildes.



 

 

 

 

 

 

 

 

Der Maria-Pawlowna-Promenadenweg an der Ilm verbindet die Schlösser Tiefurt und Kromsdorf. Eine Besonderheit von Schloss Kromsdorf sind 64 Büsten, die im späten 17. und frühen 18. Jh. in Nischen in der Parkmauer platziert wurden. Sie zeigen Herrscher aus aller Welt und andere Leute, die man damals interessant fand: ein Herzog von Sachsen-Weimar, der König von Ceylon, eine persische Dame, ein jüdischer Arzt uswusf. Crazy!



 

 

 

 

 

 

 

 

Auf dem Rad- und Wanderweg an der Ilm geht es weiter nach Oßmannstedt, wobei einen Erklärtafeln alleweil über Poeten, Komponisten und Geologie unterrichten. Wer die Wanderung verlängern und noch ein oder zwei Burgen besichtigen möchte: In der Nähe befinden sich Burg Denstedt sowie die Ordensburg Liebstedt. Die letztgenannte ist die einzige erhaltene Burg des Deutschen Ritterordens in Thüringen und eine der europaweit äußerst seltenen Durchgangs- oder Straßenburgen.



 

 

 

 

 

 

 

 

Oßmannstedt! Hier lebte Christoph Martin Wieland einige Jahre lang auf einem Landgut, hier empfing er Sophie Brentano und Heinrich von Kleist. Heute wird Wielands Anwesen kulturwissenschaftlich und künstlerisch genutzt. In einem Nebengebäude ist eine Grundschule untergebracht.



 

 

 

 

 

 

 

 

Am Rande des Parks am Wielandgut befindet sich die Grabstätte des Ehepaars Wieland und von Sophie Brentano, die jung und unerwartet während eines Besuchs bei den Wielands verstorben ist. Auf Sophies Seite ziert die gemeinsame Grabsäule das vergoldete Relief eines Schmetterlings. 




 

 

 

 

 

 

 

 

Diese Wanderung endet ein paar Meter oberhalb des Wielandgutes am Bahnhaltepunkt Oßmannstedt, an dem Regionalbahnen nach Weimar und Leipzig verkehren. 

Wer war eigentlich dieser Wieland? Ein Schriftsteller und Übersetzer, Vorbild Goethes und Vorkämpfer des Urherberrechts. Wer Wieland kennen lernen möchte, kann mit einer Auswahl seiner Briefe beginnen. Das Taschenbuch "Ich bin und bleibe... Ihr ganz eigener Wieland" stellt Wieland in seinen Korrespondenzen dar. (Werbung in diesem Beitrag ist unbezahlt.)

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