Mehr Sachsen-Anhalt zu erkunden habe ich mir vorgenommen. Diesmal geht es von der Lutherstadt Eisleben nach Helfta und zurück, alles in allem neun Kilometer.
Viel Volk war in Eisleben unterwegs, denn gerade fand wieder das mir bis dahin unbekannte größte mitteldeutsche Volksfest statt, die Eisleber Wiese. Als ich auf dem Marktplatz ankam, bereitete sich gerade die Bergparade auf ihren Umzug vor. Das Mansfelder Land ist nämlich Bergbauland. Und es ist Lutherland. Nachfolgend Martin Luthers Geburtshaus nahe dem Eisleber Markt, eines der ältesten deutschen Museen.
Des Trubels wegen habe ich mir nicht noch mehr Eisleben angesehen, sondern bin gleich nach Helfta weitergewandert. Dabei bin ich einfach der Hauptstraße gefolgt, wenngleich auch da Trubel war. An einer Stelle konnte ich einen Blick auf das Festgelände der Eisleber Wiese erhaschen, jedenfalls aufs Riesenrad. Im Hintergrund Bergbauhalden, Zeugnisse von 800 Jahren Kupferschieferbergbau.
Mein nächstes Ziel, das Kloster Helfta, befindet sich in Helfta gleich neben der Hauptstraße. Seine heutigen Gebäude sind einfach und schmucklos, mitunter gründerzeitfabrikartig, manche warten auch noch auf ihre Sanierung. Die Botschaft ist klar: Hier geht es um die Nachfolge Christi, nicht um barocke Schwelgerei, Gefälligkeit und Folklore. Für Besucher gibt es einen Klosterladen, für Besuchergruppen auch Klosterführungen nach Absprache.
Helfta war im 13. Jh. ein Zentrum der deutschen Frauenmystik. An einer Tür des Klosters erinnert eine Gedenktafel an Mechthild von Hackeborn, Mechthild von Magdeburg und Gertrud von Helfta. Heute leben im Kloster wieder einige Nonnen. Die einzige Nonne, der ich begegnet bin, kam mir vor wie eine junge Mechthild: freundlich und nicht ganz anwesend. Vielleicht schwebte sie auch ein bisschen.
Auf dem Rückweg zum Bahnhof Eisleben habe ich mich in die Felder geschlagen. Nicht nur ist es dort ruhiger als an der Hauptstraße, sondern auf einer Karte hatte ich auch gesehen, dass am Feldweg eine Napoleon-Pappel steht. Vor Ort stellte ich fest, dass die Pappel unlängst das Zeitliche gesegnet haben musste. Inzwischen haben Eisleber Baumfreunde sie durch eine neue Pappel ersetzt. Gefreut habe ich mich über einen einzelnen weiß blühenden Stechapfel am Feldrand. Sodann endete meine Eisleben-Helfta-Schleife am Bahnhof Eisleben.
Das Kloster St. Marien und Mystikerin Mechthild kommen mehrmals in den Mosaik-Comics vor. Daher kannte ich Helfta, deshalb habe ich das Kloster besucht. Das Mosaik ist der langlebigste und auflagenstärkste deutsche Comic. Darin reisen die Abrafaxe und die Annabellen durch die Zeit, erleben kindgerechte Abenteuer und informieren nebenbei über Sozial-, Kultur- und Technikgeschichte.
Das mystische Helfta besuchten die Abrafaxe erstmals im Heft 382 ("Im Kloster ist der Teufel los"), das in diesem Sammelband wieder abgedruckt wurde. Im Annabellen-Mosaik landen "Anna, Bella und Caramella im Kloster Helfta", während sich der Bauernkrieg zusammenbraut. (Werbung unbezahlt.)
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