Herzogstuhl und Leuchtenburg im Saale-Holzland


 

 

 

 

 

 

 

 

Das Land Thüringen wurde erst 1920 gegründet. Zuvor bestand es aus vielen Kleinstaaten, wovon heute noch seine vielen Schlösser und Burgen zeugen. Noch während des Ersten Weltkrieges wurde ein neues Jagdschloss im Saale-Holzland errichtet: der Herzogstuhl in den Wäldern südlich von Kahla. Dieser ist heute ein beliebtes Wanderziel, das sich auf einer knapp 14 km langen Strecke mit der Leuchtenburg verbinden lässt. Etwas anstrengend ist der lange Aufstieg zur Leuchtenburg. Ansonsten ist die Strecke recht verträglich.

Als Ausgangspunkt dieser Wanderung bietet sich der Bahnhof Freienorla an. Weil ich einen Zug verpasst hatte, bin ich im benachbarten Orlamünde losgelaufen und konnte noch die Saale und die Kemenate in Orlamünde fotografieren. Die Kemenate, ein mächtiger mittelalterlicher Breitwohnturm, ist der Rest einer Burg aus dem 11./12. Jh.; sie beherbergt eine Ausstellung, und feiern und übernachten kann man dort auch. (Werbung ist auch in diesem Beitrag unbezahlt.)



 

 

 

 

 

 

 

Um einen langen Umweg zu vermeiden, bin ich am Ortsrand von Freienorla nicht auf den Radweg abgebogen, an dem der Herzogstuhl ausgeschildert ist, sondern bin der Landstraße noch ein Stückchen gefolgt und dann auf einem namenlosen Waldweg zum Herzogstuhl hinaufgestiegen. 


 

 

 

 

 

 

 

 

Die Bezeichnung "Jagdschloss" ist vielleicht ein bisschen übertrieben, aber sehenswert ist dieser Nachbau des Topplerschlösschens in Rothenburg ob der Tauber allemal. Um den Herzogstuhl kümmert sich ein Verein, dessen Mitglieder ihn manchmal als Wochenendhaus nutzen. Deshalb hat er keine regulären Öffnungszeiten, aber hin und wieder können ihn Besucher zum Tag der offenen Tür auch von innen besichtigen.



 

 

 

 

 

 

 

Die nahegelegene Jagdanlage Rieseneck, die wohl ab der zweiten Hälfte des 16. Jh. erbaut wurde, besteht aus Pirschgängen sowie einigen kleinen Gebäuden und Unterständen. Adlige konnten dort Rehe erschießen, die mit Futter angelockt und an Menschen gewöhnt worden waren, und sich dann sagen, sie seien auf der Jagd gewesen.



 

 

 

 

 

 

 

Danach geht es steil bergab, zurück ins Saaletal nach Kleineutersdorf. Wie viele Dörfer ist auch Kleineutersdorf am Wochenende mit Autos zugeparkt, macht aber sogar dann noch einen freundlichen Eindruck. Die Orgel in der Dorfkirche St. Peter und Paulus erinnert mit ihren floralen Ornamenten an den Jugendstil, stammt aber von 1834. Vom Ortsrand aus ist bereits die Leuchtenburg zu sehen.





 
 
Nach dem sanft rauschenden Saalewehr beginnt in Löbschütz der lange Aufstieg zur Leuchtenburg. Am Ortsrand wachten aufmerksame Dorfkatzen auf erhöhter Position über ihre Grundstücke, und am Weg blühten Schneeglöckchen und Christrosen. Über mit einzelnen Kiefern, Schlehen und Rosenbüschen bestandene Muschelkalkhügel geht es von nun an stetig bergauf zur Leuchtenburg. Erst am Burgberg werden die offenen Wiesenflächen durch schattigen, alten Laubwald abgelöst.











 

 

 

 

 

 

 

 

Für 15 Euro Eintritt (Stand 2024) kann man das Innere der Burg samt Ausstellungen und Porzellankirche besichtigen sowie von einem Steg Porzellan den Berg hinunterwerfen und sich dabei etwas wünschen. Mit diesem noch recht jungen Brauch des Porzellanzerdepperns wird Ausschuss der Porzellanfabrik Kahla verbraucht. Andenken, Kaffee und Kuchen bekommt man im Burgladen mit angeschlossenem Café. Dafür muss man keinen Eintritt bezahlen.





 

 

 

 

 

 

 

Weil die Thüringer Kleinstaaten so klein waren, konnten sich manche Adlige keine großen Prachtbauten leisten. Ihre Schlösser wären andernorts eher Villen als Schlösser. Einige der Thüringer Schlösser und Burgen sind aber ordentliche Brocken, so auch die im Jahr 1221 erstmals erwähnte Leuchtenburg. Zu ihrer bewegten Geschichte gehört auch deutsche Gegenkultur: 1921 wurde in ihrem Torhaus die erste Thüringer Jugendherberge eröffnet; daraufhin war sie ein beliebtes Ausflugsziel des Wandervogels, der ebendort am Etablieren der FKK beteiligt war.



 

 

 

 

 

 

 

 

Schließlich geht es auf ausgeschilderten, teilweise schmalen und steilen Waldwegen abermals hinab zur Saale, diesmal zum Bahnhof Kahla, dem Endpunkt dieser Tour. Hier und da bietet sich noch einmal ein Ausblick in die umliegenden Täler und auf Kahla. Von unten kann man die Muschelkalkklippen würdigen, von denen man gerade herabgestiegen ist.



 

 

 

 

 

 

 

 

Während auf der Leuchtenburg Goethe- und Schillerköppe aus Porzellan verkauft werden, kann man sich in Kahla praktisches Geschirr als Andenken mitnehmen. Unweit vom Bahnhof befindet sich nämlich der Werksverkauf der Porzellanmanufaktur Kahla. In der Altstadt von Kahla gibt es auch noch einiges zu sehen; die habe ich mir für einen späteren Besuch aufgehoben.



Kommentare

  1. Das erste Foto sollte man in den offiziellen "So schön ist Thüringen"-Bildband aufnehmen! - Ketzerisch könnte man sagen, dass sich so viel zu unseren modernen Jagdmethoden ja nicht geändert hat... Aber das lasse ich lieber und freue mich über das lustige Jagdschlösschen und das Katergesicht mit den dicken Backen!

    AntwortenLöschen
  2. Danke, danke! :D Das Katerchen und den Blick zur Leuchtenburg fand ich am allerbesten an der Tour.

    AntwortenLöschen

Kommentar veröffentlichen